TESTEN: KITESURFMAG#1 AUF DEM PRÜFSTAND: Ozone Reo V4

Der Reo V4 gilt als Ozones Wave-Maschine, dessen Performance kompromisslos auf die Welle ausgerichtet ist. Kurz gesagt, er hat alles, was man braucht, um in der Welle gut dazustehen – aber wenig, was man dafür nicht braucht. Soll heißen: Wenn du einen Crossover-Kite für verschiedene Disziplinen suchst oder einen Low-input-Kite, dann ist der Reo wahrscheinlich nichts für dich. Wenn du aber deine Performance in der Welle auf ein neues Level bringen willst, dann gibt es wahrscheinlich kaum einen Kite, der mehr Potential mitbringt.

Schon beim Aufpumpen am Strand wundert man sich über die dünne Leading Edge und die geringen Mengen an Dacron, was den Kite leicht und effizient wirken lässt. In der Luft fliegt er komfortabel und liefert wenig Zug – bis man die Bar heranzieht, ohne aber dabei so nah am Windfensterrand zu sitzen, dass man Angst vor einem Frontstall haben müsste; während die Backlines immer noch ausreichend Spannung aufweisen, um den Kite perfekt kontrollieren zu können. Bei dem geringen Gewicht könnte man sich zwar Sorgen über die Kraft des Kites am Wasser machen, was aber unbegründet ist – sobald er bewegt wird, liefert er dieselbe (abrufbare) Power wie andere, gleich große Kites. Man muss zwar wissen, wie man aus dem Reo das Beste herausholt, aber für die Menge an Arbeit, die man hineinstecken muss, sind die Barkräfte recht angemessen. Können statt Kraft lautet die Devise! Der Vorteil ist, dass die Menge an Power jederzeit perfekt kontrollier- und abrufbar ist. Ob man die Bar nun wegschiebt oder dicht nimmt oder den Kite loopt – die Canopy bleibt stabil, liefert weiche Kraftentwicklung und vorhersehbare Performance. Was nicht heißen soll, dass er nicht schnell ist; der Reo ist unglaublich agil und es erfordert Aufmerksamkeit, ihn unter Kontrolle zu haben – speziell bei kleineren Größen. Es ist aber die Performance, die diese Aufmerksamkeit erfordert – von Instabilität keine Spur. Die Stabilität stellt für uns auch den wesentlichsten Unterschied des V4 zum V3 dar. Speziell die kleinen Größen sind nun viel stabiler und stärken so das Vertrauen, sich sogar bei mehr als 30 Knoten nach draußen zu trauen (was in Cape Town bei unserem Test oft der Fall war!).

Wichtig zu erwähnen ist, dass der Reo kein Sheet-and-go-Kite ist – wenn du also etwas extra Zug willst, um pber eine Section zu kommen, musst du den Kite dafür bewegen. Bei Onshore-Sessions liefert der leichte Rahmen (in Kombination mit der Tatsache, dass man bei damit einen kleineren Kite bei gleicher Zugkraft fliegen kann) außergewöhnlich guten Drift; er steht wie festgenagelt dort und macht es einem wirklich schwer, die Kontrolle über ihn zu verlieren. Mit etwas können holt man mit der sanften Kraftentwicklung selbst aus leichten Brisen noch etwas heraus. Und so schnell man ihn auch an den Windfensterrand lenkt – zum Überfliegen bringt man ihn kaum.

KURZ GESAGT: Der V4 führt die Generation des Reo mit deutlichen Verbesserungen fort – speziell die kleinen Größen fliegen um einiges stabiler. Wer in der Welle Vollgas geben will, macht mit dem Reo nichts falsch.

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